Ein Wildtier am Rande des Verschwindens
Am 26. März 2026 durfte ich im Rahmen eines Vortrags für den Naturschutzbund Niederösterreich in Michelhausen über ein Tier sprechen, das viele kennen – aber kaum noch jemand sieht: den Feldhamster (Cricetus cricetus). Ein Tier, das einst in unserer Kulturlandschaft weit verbreitet war, ist heute vom Aussterben bedroht und steht sinnbildlich für den Zustand unserer Agrarökosysteme.
Feldhamster (Cricetus cricetus)

Verbreitung
Der Feldhamster ist ursprünglich in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet. In Österreich kommt er noch im Nordburgenland, Wien und Niederösterreich vor, wobei letzteres den Großteil der heimischen Populationen beheimatet. Insbesondere im Steinfeld, dem Weinviertel oder dem Tullnerfeld finden Feldhamster noch Lebensraum.
Doch die Bestände sind dramatisch zurückgegangen. Bestehende Verbreitungskarten zeigen, dass viele ehemalige Vorkommen bereits erloschen sind. Ein aktuelle Monitoring zum Feldhamster liegt nicht vor.
Biologie & Körperbau
Der Feldhamster ist ein echter Überlebenskünstler. Nach seinem Winterschlaf von Oktober bis März/April verbringt er seine Aktivitätszeit mit der Anlage komplexer Bausysteme, Futtersuche und Paarung.
Seine Nahrung besteht vor allem aus Pflanzen, Samen, Getreide, aber auch Insekten und kleine Wirbeltiere. Er kann mehrere Kilogramm Nahrung für den Winter sammeln – ein faszinierendes Verhalten, das als „hamstern“ Einzug in unseren Sprachgebrauch gemacht hat.
Mit seinem kräftigen Körperbau, den auffälligen Backentaschen und dem kontrastreichen Fell (braun, schwarz, weiß) ist der Feldhamster unverwechselbar.
Er wirkt auf den ersten Blick wie ein „plüschiges“ Tier – ist aber tatsächlich ein wehrhafter Einzelgänger.
Verhalten
Feldhamster sind dämmerungs- und nachtaktiv. Sie leben territorial und nutzen Ackerflächen und strukturreiche Blühstreifen als Lebensraum. Er ist ein ausgezeichneter Gräber und legt seine Baue in bis zu zwei Metern Tiefe an, Schlaf-, Vorratskammer und Latrine inklusive.
Gefährdung
Der Feldhamster gehört heute zu den stark gefährdeten Arten Europas und ist vom Aussterben bedroht!
Zu den Hauptursachen zählen die strukturarme Landschaften, die mit extrem effizienten Maschinen in immer kürzeren Umbruchszeiten bewirtschaftet werden. Eine frühzeitige Ernte führt dazu, dass ihm Deckung fehlt, Monokulturen decken seine Bedürfnisse nicht vollständig ab.
Zusätzlich sorgen Lebensraumverlust, die Zerschneidung der Landschaft, Verkehr und das Jagdverhalten von Hauskatzen in Siedlungsnähe für eine verringerte Lebenserwartung. Kurz gesagt: Der Lebensraum ist zwar noch da – aber nicht mehr geeignet.
Was können wir tun?
Die gute Nachricht: Es gibt Lösungen.
Hamsterfreundliche Bewirtschaftung
Gemeinsam mit Landwirten lassen sich Maßnahmen umsetzen, die sowohl ökologisch sinnvoll als auch praktikabel sind.
Beispiele dafür finden wir vor allem in Deutschland aus Projekten wie dem Feldhamsterland:
1. Stehenlassen von Getreidestreifen
- bietet Deckung vor Fressfeinden
- ermöglicht Nahrungssuche auch nach der Ernte
2. Späte Ernte oder Teilflächenbewirtschaftung
- reduziert Störungen während sensibler Phasen
- erhöht Überlebensrate der Jungtiere
Zusammenarbeit statt Konflikt
Der Schutz des Feldhamsters funktioniert nur gemeinsam mit den Bewirtschaften:innen. Aktive Einbindung, Verständnis für die Perspektive der anderen und Motivation, den Lebensraum für die letzten Feldhamster Österreichs zu erhalten können langfristig zu einer Verbesserung des Zustands der Feldhamster führen.
Mein Ziel ist klar:
Ich möchte den Feldhamster auch in Zukunft als heimisches Wildtier in unserer Landschaft erleben.
Interesse geweckt?
Vortrag Feldhamster
Willst du mehr über diese faszinierende Tierart erfahren, dann kontaktiere mich für einen Vortrag in deiner Region. Einen Teaser dazu findest du hier:
Zusammen für den Feldhamsterschutz
Mehr zu meiner Arbeit und Expertise im Bereich Naturvermittlung und Naturschutzarbeit findest du hier.
Wenn du dich für Feldhamsterschutz interessierst oder selbst Teil eines Projekts werden möchtest, kontaktiere mich und suchen wir gemeinsam nach Möglichkeiten für eine Umsetzung.
Als Naturfuchs Österreich setze ich mich für eine lebendige Kulturlandschaft ein.
Bis bald, am Wegesrand




